27. September 2021

Mit Kissing Spines…

…fit bis ins hohe Alter. Bereits vor 14 Jahren wurde bei Caprice Kissing Spines (Grad II) diagnostiziert. Es war ein Zufallsbefund, der aufgrund einer Lahmheit zu Tage kam (die Ursache für die Lahmheit rechts vorne war jedoch das Ringband). Sie war 2006 erst elf Jahre alt, eigentlich im bestem Alter – und dann diese Diagnose. Der Befund war umso überraschender, da sie nie klassische Anzeichen für Kissing Spines gezeigt hatte.

Nachdem ich den ersten Schock verdaut hatte, recherchierte ich, was genau Kissing Spines bedeutet und wie der weitere Verlauf aussieht. Was ich zu lesen und zu hören bekam war nicht gerade aufmunternd: Ich musste damit rechnen, dass Caprice möglicherweise früh unreitbar werden könnte. Ich hatte aber zwei Monate Zeit, um mich eingehend mit „Küssenden Dornfortsätzen“ zu beschäftigen. So lange hatte sie wegen des Ringbands so uns so Pause.

Caprice kurz vor der Geburt ihres ersten Fohlens im Jahr 2009.

Um ehrlich zu sein, irgendwann habe diesen Befund wieder vergessen. Einfach, weil ich beim Reiten nichts davon gemerkt habe. Auch zwei Trächtigkeiten und Geburten hat sie wunderbar gemeistert.

Dann kam eine lange Phase, in der sie ständig Koliken hatte (und keiner wusste warum), etwas später kämpfte sie über ein Jahr mit einer hartnäckigen Keratitis am rechten Auge. Kissing Spines waren in der Zeit unser geringstes Problem…

Schlussendlich folgte meine zweijährige Odyssee auf der Suche nach einem geeigneten Pensionsplatz für Caprice, die mit dem Einzug im Oktober 2019 im Magna Racino endete. Dort begann ich sie wieder zu reiten, und mein 25-jähriges Lebenspferd läuft unterm Sattel wie Bombe. Und irgendwann im Dezember 2019, ich weiß auch nicht genau warum, fiel es mir wieder ein: Da war doch was, vor 14 Jahren – irgendetwas mit ihrem Rücken. 

Also Termin in der vis a vis gelegenen Pferdeklinik ausgemacht, Röntgen machen lassen und mich nur noch gewundert: Wie kann ein Pferd in dem Alter mit so massiven Schäden an den Dornfortsätzen und zum Teil schon verknöcherten Wirbeln ohne Anzeichen von Schmerzen so genial zu reiten sein? Der Videobeweis ist übrigens im Beitrag „Zurück im Leben“ zu sehen.





Fazit
 
Die Diagnose Kissing Spines ist  kein Weltuntergang – selbst mit so massiven Schäden (Fotos oben) ist ein Pferd  mit Bedacht und Pferdeverstand noch reitbar. Hält man sich an den wunderbaren Spruch von Paul Stecken „Richtig reiten reicht!“, dann kann ein Pferd auch bis ins hohe Alter mit dieser Diagnose geritten werden. Caprice und viele andere Pferde sind der lebende Beweis dafür. Einen sehr informativen Artikel zu diesem Thema gibt’s übrigens hier – lesen lohnt sich!