24. April 2024

Persilschein

Sprachen sind wie Familien. Sie haben ihre Urgroßeltern, Großeltern, Eltern, Kinder – und neue Babys kommen laufend dazu. Familie Deutsch hat in den vergangenen Jahren viele Babys aus Familie Englisch adoptiert – und das ist ganz ok, manchmal ist Familie Deutsch nämlich etwas umständlich: upload ist kürzer (also schneller zu tippen) und auch irgendwie hübscher anzusehen als hinaufladen. Finde ich jedenfalls.

Umgekehrt hat Familie Deutsch so viele herrliche, leider schon ins Hospiz übergebene, Familienmitglieder. Etwa der Begriff „Persilschein“. Für einen Werbetext habe ich unlängst genau dieses Wort verwendet. Der Text ging, wie immer, zur Freigabe an den Auftraggeber von dem kurze Zeit später ein E-Mail retour kam: Was bitte ist ein Persilschein?

So ein schöner Begriff und doch kennt ihn kaum noch jemand. Der Persilschein ist so etwas wie ein Freibrief. Mein Freund Duden weiß dazu: Entlastung[szeugnis]; Bescheinigung, dass sich jemand nichts hat zuschulden kommen lassen | Beispiel: jemandem einen Persilschein ausstellen. Noch ein Beispiel für eine gebräuchliche Verwendung: «Dass Linux kein Persilschein für Sicherheit ist, bekamen die Linux-Nutzer jetzt zu spüren.»

Der Persilschein hat tatsächlich etwas mit dem Waschmittel Persil zu tun: Die Redewendung „einen Persilschein ausstellen“ entstand nach dem Zweiten Weltkrieg im Zusammenhang mit der Entnazifizierung Deutschlands.[6] […] Persilscheine waren entlastende Zeugnisse von Dritten zugunsten von belasteten Personen. Die Bezeichnung nach dem bekannten Waschmittel Persil nahm auf die Vorstellung des Reinwaschens Bezug.[…] Eine ähnliche Vorstellung liegt der Metapher der „weißen Weste“ zugrunde, einem bildlichen Ausdruck für die Unschuld einer Person. (Quelle: wikipedia). Der Persilschein entwickelte sich im Sprachgebrauch und wurde in Folge zum Synonym für Freibrief. 

Und was sagt das über Persil aus?
1. Persil gibt’s schon sehr lange (über 110 Jahre).
2. War das Marketing von Persil scheinbar schon vor 100 Jahren ausgezeichnet.
3. Dürfte Persil wirklich gut sein (sonst wäre es längst vom Markt).

Und weil ich das gerade tippe, fällt mir ein: Ich sollte mal wieder Wäsche waschen…